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Schläge im Namen des Herrn
Das verdrängte Schicksal der Heimkinder
in der Bundesrepublik

Buchcover

ISBN 342105892X
ca.240 Seiten mit Abbildungen

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Jetzt auch als Taschenbuch!

Erste Reaktionen auf das Buch im Februar 2006
- evangelische Trägerverbände
- ev.Akademie Bad Boll
- Bischof Huber
- Diakonie Bayern
- Dierk Schäfer, ev. Akademie Bad Boll
- offener Brief an Gohde
- Wittekindshof
- Bethanien-Schwestern
- Deutschlandradio Kultur
- Sendung vom 15.2.2006

-Ordenskorrespondenz

Aktuelle Artikel von Peter Wensierski im SPIEGEL hier...

Kontakt zu
Peter Wensierski hier...

Hier finden Sie Zeitungsartikel, Radio- und TV-Sendungen über das Buch
“Schläge im Namen des Herrn” aus dem Jahr 2007

ARD-Sendereihe “Unsere 60er Jahre”

In dieser Sendereihe, am Ende der Folge 4 und in den Folgen 5 und 6 erzählt Rena Sander-Lahr, ein ehemaliges Heimkind, über ihre Heimzeit im West-Berliner Heim “Zum Guten Hirten”.
Mehr darüber erfahren Sie hier..

Auch in Spiegel-Online mehr dazu lesen....


21. November 2007, NDR-Fernsehen
:
wurde in der Sendung "Menschen und Schlagzeilen" über ehemalige Heimkinder berichtet.

20. November 2007, WAZ:
Die weggesperrten Kinder der Nachkriegszeit
Heimzöglinge der 50er und 60er Jahre haben ihr Schweigen gebrochen - Jetzt fordern sie eine Entschädigung
Mehr hier lesen....

15. November 2007, RBB-Fernsehen:
“Das Kinderheim in der Auguststrasse”

”Die Geschichte des Jüdischen Kinderheims in Berlin und seiner Leiterin Beate Berger - erzählt von der israelischen Filmregisseurin Ayelet Bargur.
In der Auguststraße 14 - 16 in Berlin befand sich hinter der großen Synagoge das Jüdische Kinderheim "Beith Ahawah" ("Haus der Liebe"). Die Urgroßnichte von Beate Berger, die israelische Filmemacherin Ayelet Bargur, hat 70 Jahre später die noch lebenden Heimkinder aus der Berliner Auguststraße in Israel, Deutschland und Frankreich aufgesucht.”

14. November 2007, Süddeutsche Zeitung (online),
“Da ist mächtig was schiefgelaufen...”

”Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) ist mittlerweile unter Druck geraten, das Thema aufarbeiten zu lassen. Medienberichte, Entschädigungsforderungen und 7000 im Staatsarchiv in Schleswig aufgetauchte Akten verleihen diesem bisher tabuisierten Justizskandal neue Brisanz. “


11. November 2007, WDR-Fernsehen,
"Lebenslänglich Heimkind”
ta
g7 erzählt die Geschichte zweier ehemaliger Heimkinder, die nicht mehr schweigen wollen und anfangen zu kämpfen: Regina Eppert um die Liebe ihrer Tochter, Wolfgang Focke um die Anerkennung seiner Arbeitszeit auf die Rente.

1. November 2007, DIE ZEIT:
Brutale Fürsorge

Ein Justizskandal der siebziger Jahre: Wie in Schleswig-Holstein Jugendliche in staatlichen Heimen zur Zwangsarbeit herangezogen wurden
Das Landesfürsorgeheim in Glückstadt wurde am 31. Dezember 1974 geschlossen, als letzte Einrichtung dieser Art in der Bundesrepublik. Was sich hinter den Mauern abspielte, davon berichten nun ehemalige Insassen. Der Markthändler Otto Behnck und der Drehorgelverleiher Frank Leesemann haben sich ans Sozialministerium in Kiel gewandt. Ihren Schilderungen zufolge schloss die staatliche »Fürsorge« in Glückstadt in vielerlei Hinsicht bruchlos an die Praktiken in Nazideutschland an: Zwangsarbeit, regellose Gewalt, sogar die Anstaltskleidung der dreißiger Jahre soll weiter verwendet worden sein.”
Den ganzen Artikel hier lesen....

26. Oktober 2007, Frankenpost
Schläge und Schikane im Heim - Erinnerungen
Wolfgang Rosenkötter berichtet in einer Lesung von seiner schlimmen Kindheit

mehr nachlesen hier.....

7. Oktober 2007, ZDF-Sendung Mona Lisa: “SCHWARZE PÄDAGOGIK”
"Landesfürsorgeheim Glückstadt", das hört sich gut an. In den 30er und 40er Jahren war es ein nationalsozialistisches Arbeitslager. Noch bis Anfang der 70er Jahre wurden hier die Zöglinge geschlagen, gedemütigt und gezwungen, Sträflingskleidung zu tragen. Die Jugendlichen mussten in Steinbrüchen bis zur Erschöpfung arbeiten, sollten zu "wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft" geprügelt werden. Erst jetzt brechen die Opfer ihr Schweigen, fordern Rehabilitation. ML über ein
kaum bekanntes und düsteres Kapitel deutscher Zeitgeschichte.
Jetzt, fast 40 Jahre später, soll diese dunkle Seite deutscher Heimerziehung endlich aufgearbeitet werden. Gitta Trauernicht, Sozial- und Jugendministerin in Schleswig-Holstein, macht Hoffnung: "Wie ist es mit der psychischen Verfassung, wie ist es mit der Möglichkeit aufarbeiten zu können, wie ist es mit dem berechtigten Interesse nach Entschuldigung und nach Transparenz dessen, was da damals geschehen ist? Da kann auch ich, als Landesministerin, einiges machen."

Mehr über diese TV-Sendung hier nachlesen.....

Mehr zum Thema Heimkinder bei Mona Lisa hier....

 

Eine NDR-Radiosendung ....mehr darüber hier....auch zum Anhören!

23. September 2007, ZDF-Sendung Mona Lisa
Entschädigung für eine gestohlene Kindheit”

Mehr dazu hier.....     Den Beitrag kann man hier ansehen....


17. September 2007, ARD-Sendung Report:
Drangsaliert und ausgebeutet - Heimkinder klagen an 
Thema: Die Arbeit in den Heimen     Den Report-Beitrag kann man jetzt hier ansehen...

 

14. September 2007, HNA
Sturm gegen Zwang und Karzer

Von Thomas Schattner 
Schwalm-Eder. Sie war erst Anfang 20 und doch schon längere Zeit im engsten Kreis um Andreas Baader und Gudrun Ensslin, als sie nach Wabern kam. Das war im Juli 1969. Astrid Prolls Ziel war das Jugendheim Karlshof. Es war die Heimkampagne der Außerparlamentarischen Opposition (APO), die die gebürtige Kasselerin Proll dorthin führte. Kurz zuvor hatte ein ehemaliger Heiminsasse im Karlshof Flugblätter verteilt. Es stammte von einer "Kampfgruppe ehemaliger Fürsorgezöglinge", die sich aus Mitgliedern der APO und des Sozialistischen Studentenbundes (SDS) zusammensetzte.
"Noch ist es uns unmöglich, Erziehungsheime abzuschaffen. Deshalb bleibt uns im Augenblick nichts anderes übrig, als Änderungen zu erkämpfen", war zu lesen. Elf zum Teil radikale Forderungen waren abgedruckt, um Veränderungen in dem Heim zu erreichen, dessen Hausordnung zum Teil aus dem Jahr 1886 stammte. Es folgte ein Gespräch der APO-Vertreter mit der Heimleitung. Dabei wurde eine Heimvollversammlung für den 26. Juli 1969 vereinbart.
An diesem Tag kamen nachmittags neben Astrid Proll etwa 20 Frankfurter APO-Leute nach Wabern. Zur Sicherheit hatte der Anstaltsleiter Polizei angefordert. Proll und ihre Begleiter versuchten die Zöglinge davon zu überzeugen, "dass die Heimerziehung als Institution bekämpft" werden müsse. Missstände in der Heimerziehung wurden angeprangert.
Zwei Tage später übergab eine eiligst gegründete Gruppe einen 20 Punkte umfassenden Katalog an die Heimleitung. Gefordert wurden freier Besuch (auch Mädchenbesuch), längere Ausgangszeiten, freie Kleidungswahl in der Freizeit, ein arbeitsfreier Samstag, die Abschaffung des Karzers und der Postzensur und das Verbot von körperlicher Züchtigung. Diese uns heute selbstverständlichen Forderungen wurden anschließend in den nächsten zwei Jahren in mehreren Schritten im Karlshof umgesetzt. Was dabei nicht an Reformen vom Karlshof selbst angegangen wurde, übernahm der Landeswohlfahrtsverband als Träger.
Astrid Prolls Bruder, Thorwald Proll, später ebenfalls RAF-Mitglied, fasste seine Eindrücke über die Reisen der APO-Anhänger zu den Heimen in Nordhessen später zusammen: "Haben da Schulungen gemacht. (...) Wir waren echt gut in Form. Und viele haben das wahrscheinlich auch als schönes Erlebnis in ihrem Leben behalten." Die APO-Aktivisten hatten auch das Beiserhaus in Rengshausen und das Mädchenerziehungsheim Fuldatal in Guxhagen aufgesucht (wir berichteten). Zwei Jahre später wurde Astrid Proll verhaftet. Sie hatte am 14. Mai 1971 die Rote Armee Fraktion (RAF) mitgegründet (siehe Artikel rechts). Die folgenden Jahre waren von Gefängnis und Flucht bestimmt. Später löste sich Proll von der RAF. In einem Interview sagte sie: "Ich weiß gar nicht, ob die RAF eine politische Gruppe war. Sie war eher so etwas wie die Selbstanmaßung einer ganzen Generation".

5. Juli 2007, Holsteinischer Courier:
Wie viele Selbstmorde gab es in den Heimen?
Kiel/Glückstadt / tnn - Wurden die Jugendlichen im Landesfürsorgeheim Glückstadt systematisch bewacht, bestraft und isoliert? Wie viele Selbstmorde hat es unter den Heranwachsenden gegeben? Ein Bericht unserer Zeitung über das Schicksal ehemaliger Heimkinder löste zahlreiche Fragen und Reaktionen aus. Viele Betroffene meldeten sich.
Von den 50er bis in die 70er Jahre wurden Tausende Heranwachsende in vielen kirchlichen und staatlichen Heimen in der Bundesrepublik geschlagen, gedemütigt, missbraucht. Aus Scham haben sie all die Jahre geschwiegen. Einige möchten ihre Identität bis heute nicht preisgeben. Aber sie haben den Mut, über ihr Schicksal zu sprechen.
"Wir wollen, dass sich das Land bei uns entschuldigt", sagt Otto Behnck (55), ehemaliges Heimkind aus Schwedeneck. Weitere Forderungen der ehemaligen Heimkinder: Eine wissenschaftliche Aufarbeitung und eine Anhörung im Landtag.
Bei Sozialministerin Dr.Gitta Trauernicht stießen sie mit ihren Forderungen auf Entgegenkommen. Anfang der Woche lud die Ministerin die ehemaligen Heimkinder zu einem persönlichen Gespräch. "Die Heim-Unterbringung von Kindern der 50er und 60er Jahre gehört zu den dunkelsten Kapiteln in der Geschichte der Fürsorgeheime. Gemeinsam mit den Betroffenen werde ich eine umfassende Aufarbeitung dieser Zeit in Schleswig-Holstein einleiten. Dafür konnte ich Professor Schrapper von der Universität Koblenz gewinnen, der auf diesem Gebiet bundesweit einer der qualifiziertesten Forscher ist. Eine solche Schwarze Pädagogik, wie sie damals praktiziert wurde, darf nie wieder eine Chance bekommen", sagte Trauernicht.
"Das Gespräch lief sehr positiv", bestätige Michael-Peter Schiltsky, Geschäftsführer des Vereins ehemaliger Heimkinder. Entgegen bisheriger Äußerungen ist inzwischen auch bekannt, dass im Landesarchiv Akten über das Fürsorgeheim archiviert werden.


3. Juli 2007 Kiel: Runder Tisch mit Sozialministerin

Neues zum Erziehungsheim Glückstadt hier....
Am 3. Juli 2007 and ein mehrstündiges Treffen im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren von Schleswig-Holstein statt zwischen der Ministerin und einer Gruppe Heimkinder, die meisten aus Glückstadt. Das Treffen verlief sehr erfreulich für die ehemaligen Heimkinder. Die Geschichte von Glückstadt soll nun aufgearbeitet werden, die bisher als nicht vorhanden geltenden Akten sollen im Landesarchiv zugänglich gemacht werden.
Nachzulesen auch auf den Seiten des Vereins ehemaliger Heimkinder... und bei Otto Behnck

“Das mehrstündige Treffen zwischen der Ministerin Dr. Gitta Trauernicht und einer Gruppe ehemaliger Heimkinder, aus Glückstadt, Paulihof und dem Landeskrankenhaus Hesterberg verlief in sehr angenehmer Athmosphäre. Für die Betroffennen war es vor Allem bedeutsam, festzustellen, dass die Ministerin sehr gut vorbereitet und bestens über die Problematik informiert war. Sie gab den Anwesenden deutlich zu verstehen, dass Sie die damlaligen Zustände in Heimen in Schleswig-Holstein, wie sie von den ehemaligen Zöglingen beschrieben wurden, verurteilt und dass sie persönlich es zutiefst bedauert, dass jungen Menschen solches Leid zugefügt wurde. Sie gab zu verstehen, dass es ihr ein wichtiges Anliegen ist, Sorge dafür zu tragen, dass das Land Schleswig-Holstein sich um eine intensive Aufarbeitung der Zustände in den damaligen Heimen in Schleswig- Holstein bemühen wird. Für die wissenschaftliche Aufarbeitung soll Herr Prof. Schrapper, mit dem bereits Vorgespräche stattgefunden haben, gewonnen werden. Dabei soll auch das im Landesarchiv gefundene Aktenmaterial berücksichtigt und für die Zukunft zugänglich gemacht werden. Entsprechend der Forderungen, die in der Petition des VeH an den Deutschen Bundestag gestellt wurden, ist es für die Ministerin auch vorstellbar, eine Ausstellung zum Thema - auf Schlewig-Holstein bezogen - im Landeshaus durchzuführen. Ausserdem will sie sich dafür einsetzen, dass eine Bitte um Entschuldigung seitens des Landes und der zuständigen Behörden ausgesprochen werden wird. Auch der Vortrag von Lebensberichten Betroffener im Landeshaus erscheint der Ministerin möglich. Wir wünschen uns, in naher Zukunft vergleichbare Gespräche mit den zuständigen Ministern der anderen Bundesländer führen zu können und dürfen auch da auf die Unterstützung durch Frau Dr. Trauernicht hoffen.”


21. Mai 2007 Anhörung im Bundestag wurde fortgesetzt
Am 21. Mai 2007 mussten ehemalige Betreiber von Erziehungsheimen im Bundestag vor den Obleuten des Petitionsausschusses mehrere Stunden Rede und Antwort stehen und Auskunft geben über die Erziehungspraxis in kirchlichen und staatlichen Heimen in den 50er und 60er Jahren.
Geladen waren unter anderem Vertreter der Diakonie und der Caritas. Zur Sprache kam auch die Kritik an der Praxis in diesen Heimen, wie sie im Buch “Schläge im Namen des Herrn” beschrieben ist und wie sie auch von ehemaligen Heimkindern in der ersten Anhörung des Petitionsausschusses bereits im Dezember 2006 vorgetragen wurde.
Nach der Sitzung war von Beteiligten zu hören, dass die Vorwürfe keineswegs abgewehrt worden wären, sondern dass “man nun ernsthaft an die Aufarbeitung gemeinsam mit den Heimkindern herangehen will” und weitere praktische Schritte erfolgen sollen.

30. Mai 2007, Schleswig-holsteinischer Zeitungsverlag:
"Wenn du nicht brav bist, kommst du ins Heim"

“Glückstadt / sh:z - Einweisungsgrund: Sittliche Verwahrlosung. So muss es in den Papieren der Behörden gestanden haben. "Ich hatte keine Straftat begangen", sagt Otto Behnck (55) mit Nachdruck. Eigentlich hatte er nur ein anderes Leben führen wollen als seine Eltern. Eingesperrt wurde er als 18-Jähriger trotzdem. Von Oktober 1970 bis Januar 1971 war Behnck im Landesfürsorgeheim in Glückstadt.” Den ganzen Artikel lesen hier....
“Spiegel-Reporter Peter Wensierski hat in seinem Buch "Schläge im Namen des Herrn" die "verdrängte Geschichte" der Heimkinder ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Inzwischen hat sich auch der Bundestag damit beschäftigt. Die Grünen-Fraktion im Bundestag fordert die Errichtung einer Bundesstiftung, die Entschädigungen an ehemalige Heimkinder zahlen soll.” Dazu mehr hier...

26.März 2007, Interview mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, 
“Wir mussten schwerste Kinderarbeit für einen Stundenlohn von 4 Pfennig leisten”

Dietmar Krone (53) war auf richterliche Anordnung von 1968 bis 1973 wegen „sittlicher Verwahrlosung“ im staatlichen Jugenderziehungsheim Viersen-Süchteln untergebracht und wurde dort schwer misshandelt. Als 20-Jähriger zog er nach Berlin. Seit einem Jahr engagiert er sich in der bundesweiten Initiative
“Verein ehemaliger Heimkinder”
Das Interview im Wortlaut finden Sie hier....

28. Februar 2007
Ein Kölner wurde 13 Jahre in einem Kinderheim gequält - und hat Jahrzehnte nicht darüber gesprochen
Mehr als 13 Jahre lang hat der gebürtige Kölner Hans Klostermann in einem Heim in Rheinland-Pfalz verbracht, in der “Diakonie Bad Kreuznach”.
In diesem Jahr besuchte er es wieder. Heute leben hier behinderte Menschen. Pfarrer Dietrich Humrich, Vorstand der Kreuznacher Diakonie begrüßte Klostermann vor Ort und überreichte ihm eine komplette Kopie seiner Heimakte.
Der Kölner Stadt-Anzeiger vom 28.2.2007 schreibt: “Vorstandschef Humrich spricht schließlich das aus, worauf Hans Klostermann so viele Jahre gewartet hat: das ihnen das Geschehene sehr leid tut.” Hier als pdf-downloadbar 1,6 MB

3-SAT, 25. Februar 2007
 “Hermines Liste” ein Film von Ulrichs Veith

Die zweigeschlechtlich geborene Radiotechnikerin und Landwirtin Hermine Schneider ist es gewohnt, anzuecken. Immer wieder begegnet sie Vorurteilen. Seit Jahren steht sie mit einem Infostand in der Fußgängerzone von Eschweiler und erhebt Anklage gegen das dortige Kinderheim. In den 1950er und 1960er Jahren sei sie dort gemeinsam mit anderen Kindern geschlagen und misshandelt worden. Um die Vorwürfe zu beweisen, hat sie Menschen gesucht, die damals mit ihr im Heim aufgewachsen sind, sie befragt und deren Erinnerungen an den strengen Heimalltag, Misshandlungen und Übergriffe protokolliert. Als Vertreterin der Opfer will sie darüber mit der katholischen Kirchengemeinde und dem Orden, die damals für die Erziehung im Heim verantwortlich waren, ins Gespräch kommen. Gemeinsam mit anderen Betroffenen stellt sie Anträge auf Entschädigung beim Versorgungsamt Aachen. Die Kirche reagiert mit Unterlassungsklagen und Betrugsanzeigen. Hermine Schneider aber lässt sich von ihrem Weg nicht abbringen. Sie will, dass das den ehemaligen Heimkindern widerfahrene Unrecht wieder gut gemacht wird. “ (Aus dem Pressetext zum Film)

WDR/Lokalzeit-Münsterland, 14. Februar 2007
"
Heimerziehung in der Nachkriegszeit"

6. Februar 2007, Der Tagesspiegel:
"Es handelt sich nicht um Einzelfälle"
Petitionsausschuss des Bundestages: Heimkinder der 50er und 60er Jahre leiden noch heute

Interview mit Gabriele Lösekrug-Möller, Bundestagsabgeordnete aus Hameln

Frage:
Der Petitionsausschuss hat im Dezember ehemalige Heimkinder der 50er und 60er Jahre angehört, die Entschädigung für Schläge, Misshandlungen oder Kinderarbeit fordern. Wie sprechen Erwachsene als Opfer über solche Erfahrungen?
Was die Betroffenen dort vorgetragen haben, treibt alle im Ausschuss bis heute um. Ich kann mich nicht erinnern, dass über zwei Stunden so aufmerksam und intensiv zugehört wurde. Menschen, die mittlerweile 50 oder 60 Jahre alt sind, haben beschrieben, wie sie als Kinder in Heimen Traumata erlitten haben, die bis heute ihr Leben bestimmen. Wie schwer viele an diesen Kindheitserlebnissen tragen, zeigt sich an Beziehungsstörungen, an körperlichen Schäden und daran, dass manche bis heute selbst in der eigenen Familie über ihre Kindheit nicht sprechen können.
 Frage: Handelt es sich nach ihrem Eindruck um Einzelfälle oder um ein allgemeines Unrecht in der Heimerziehung dieser Zeit?
Wir haben Einzelfälle angehört, aber längst nicht alle, die im Verein der Heimkinder sind. Schon diese Zahl lässt den Schluss zu, dass es nicht nur um einige Kinder in wenigen Heimen geht. Damals gab es eine ganz andere Konzeption von pädagogischer Arbeit in Heimen, als wir sie heute zum Glück haben. Aber allein der Einsatz von körperlicher Gewalt ging weit auch über das hinaus, was in den 50er Jahren akzeptiert wurde. Es handelt sich nicht um Einzelfälle.
Frage: Damals war es gängige Auffassung, dass eine Ohrfeige noch keinem Kind geschadet habe. Ist die Situation in den Heimen nicht einfach dem damaligen Zeitgeist zuzuschreiben?
Nein, das sehe ich anders. Wenn Kinder in sogenannten Besinnungszimmern oder Klabausen mehrere Tage streng isoliert werden, dann würden wir das heute als Folter betrachten. Aber selbst unter den damaligen Maßstäben musste es mehr als kritisch bewertet werden. Es hat so etwas ja auch nicht in allen Heimen gegeben. Der Verein der Heimkinder hat nachgewiesen: Großen Gruppen ist Unrecht wiederfahren, in mehreren Bundesländern, in Heimen kirchlicher oder staatlicher Trägerschaft. Es geht nicht um gelegentliche Entgleisungen überforderter Erzieher oder Heimleiter. Und deshalb müssen wir uns den Forderungen der Betroffenen grundsätzlich zuwenden.
Frage: Die Heimkinder verlangen die Anerkennung des erlittenen Unrechts und eine materielle Entschädigung wie z. B. nachträgliche Anerkennung von Rentenansprüchen. Was wird der Petitionsausschuss vorschlagen?
Es sind Schritte auf verschiedenen Eben nötig. Zuallererst muss sichergestellt werden, dass alle Unterlagen und Akten zugänglich gemacht werden. Wir müssen besser wissen, wie viele Menschen welches Unrecht erlitten haben. Neben der Klärung der individuellen materiellen Entschädigungsansprüche brauchen wir ein strukturiertes Gespräch darüber, wie wir mit Unrecht, Schuldanerkennung und dokumentierter Aufarbeitung umgehen. Ich schlage eine Heimkinderkonferenz vor, die Betroffene, kirchliche und staatliche Träger an einen Tisch bringt und in einem abgesteckten Zeitrahmen diese Fragen klärt. Nach meinem Eindruck ist für die ehemaligen Heimkinder sehr wichtig, dass die Gesellschaft offiziell anerkennt: Euch ist Unrecht geschehen. Die Verantwortlichen bitten um Entschuldigung.
Das Interview führte Tissy Bruns

HNA Kassel, 3. Januar 2007
Es tut noch immer weh - Wie ehemalige Heimkinder litten - Petitionsausschuss des Bundestages will helfen
Leserbrief von Wolfgang Bahr dazu hier...

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