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Schläge im Namen des Herrn
Das verdrängte Schicksal der Heimkinder
in der Bundesrepublik

Buchcover

ISBN 342105892X
ca.240 Seiten mit Abbildungen

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Erste Reaktionen auf das Buch im Februar 2006
- evangelische Trägerverbände
- ev.Akademie Bad Boll
- Bischof Huber
- Diakonie Bayern
- Dierk Schäfer, ev. Akademie Bad Boll
- offener Brief an Gohde
- Wittekindshof
- Bethanien-Schwestern
- Deutschlandradio Kultur
- Sendung vom 15.2.2006

-Ordenskorrespondenz

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Über das Buch:

In Kooperation mit der Deutschen Verlags-Anstalt ist das SPIEGEL-Buch „Schläge im Namen des Herrn“ erschienen, das mit den Lebensbedingungen von Heimkindern ein bisher wenig bekanntes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte aufgreift. Der SPIEGEL-Redakteur und Autor Peter Wensierski lässt Betroffene, die in kirchlichen oder staatlichen Heimen bis in die siebziger Jahre unter demütigenden Bedingungen leben mussten, in Erfahrungsberichten zu Wort kommen.

Nicht für alle waren die fünfziger und sechziger Jahre in der Bundesrepublik eine Zeit des Aufbruchs. Im Abseits der Gesellschaft verbrachten einige hunderttausend Heimzöglinge unter heute unvorstellbaren Bedingungen ihre Kindheit in kirchlichen oder staatlichen Einrichtungen. Eingewiesen manchmal nur deshalb, weil sie den rigiden Moralvorstellungen der Zeit widersprachen, wurden Heimkinder jahrelang gedemütigt, geschlagen, zur Strafe eingesperrt, ausgebeutet.

Die meisten haben aus Scham – selbst gegenüber Ehepartnern und Kindern – bis heute nicht über ihre Erlebnisse gesprochen. Einige brechen nun ihr Schweigen. Ihre Erlebnisberichte enthüllen das vielleicht größte Unrecht, das jungen Menschen in der Bundesrepublik angetan wurde.

Erst Ende der sechziger Jahre zeichnete sich ein Wandel in der Heimerziehung ab. Die späteren RAF-Terroristen Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin, die 1969 die „Heimkampagne“ auslösten, gaben mit vielen Mitstreitern den entscheidenden Anstoß für Reformen. Über ihre wenig bekannten Aktionen berichtet ein Kapitel des Buches.
(aus der Pressemitteilung des SPIEGEL)

Manche Kapitel sind eine Zeitreise zurück in die fünfziger und sechziger Jahre, eine Innenansicht der öffentlichen Erziehung von Staat und Kirche aus der Sicht der Kinder. Wer bisher geglaubt hat, nur im Osten, in der DDR, seien Menschen gequält, misshandelt, gedemütigt, erniedrigt und ihrer Chancen beraubt worden, der kann aus den Opferberichten dieses Buches lernen, dass der Westen so viel besser auch nicht mit jenen umgesprungen ist, die sich der verordneten gesellschaftlichen Norm nicht fügen mochten.

“Wenn Du nicht brav bist, kommst du ins Heim!“

Diese Drohbotschaft bekamen damals Millionen junge Menschen zu hören. Am Ende wurden einige Hunderttausend Kinder und Jugendliche tatsächlich hinter den Mauern der staatlichen und kirchlichen Erziehungsanstalten zu dramatischen Verlierern des deutschen Wirtschaftswunders.
(aus dem Vorwort)

 

 

 

 

 

 

 

 

In vielen Heimen wurden die Kinder und Jugendlichen wegen Nichtigkeiten immer wieder tage- mitunter auch wochenlang von den Erziehern eingesperrt. In Kellern, in Dachkammern oder in eigens eingerichteten “Besinnungszimmern”, “Klabausen”, “Kerkern” oder “Zellen”. Auf dem Foto ist das bis heute erhalten gebliebene “Besinnungsstübchen im Turm” zu sehen - im “Kloster Breitenau”, Guxhagen bei Kassel. Monika Rohde und Helga Weber waren zwei von hunderten, die in diesem Mädchenheim Anfang der 60-er Jahre die beste Zeit ihrer Jugend verbringen mussten - eingewiesen vom Jugendamt Kassel. (Beschrieben im Buchkapitel “Pilgerreise in die Kindheit”)

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Helga Weber

Helga Weber erinnert sich noch immer gut an das Gefühl, dort eingesperrt zu sein....
Helga Weber steht auf dem Foto ganz links, Monika Rohde mit langen, dunklen Haaren unten vorne)
Zum Anhören: bitte auf das linke Foto klicken.

Amazon - Kundenrezension
Um es vorweg zu nehmen: Das Buch schockiert, weil das, was da thematisiert wird, nicht irgendwo stattgefunden hat, wo man vielleicht nichts anderes erwartete, sondern hier vor Ort, überall, mitten in Deutschland, jahrzehntelang, tagtäglich, tausendfach. Es geht um systematische Unterdrückung, Zwangsarbeit, Freiheitsentzug, Vernichtung der Würde: Die Zeitzeugenberichte erinnern an solche derer von Gegnern despotischer Regimes. Wir müssen uns fragen, wie in einem sozialen Rechtsstaat, in dessen Verfassung es heißt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ so etwas möglich war, geduldet und praktiziert werden konnte.

In der aktuellen Diskussion um Menschrechtsverletzungen und Folter kann schnell der Eindruck entstehen, so etwas gäbe es „bei uns“ nicht. Doch kaum liest man die ersten Seiten dieses Buches, wird deutlich, hier geht es nicht nur um tragische Einzelschicksale, sondern um massiven Missbrauch von Macht, Demütigungen und Erniedrigungen in ungeheurem Ausmaß. Hunderttausende (!) junger Menschen waren dem brutalen System „Heim“ in der frühen Bundesrepublik unterworfen – ohne Aussicht auf Hilfe oder auch nur Mitgefühl. Die Öffentlichkeit interessierte sich nicht für das, was hinter den Mauern geschah, wollte nicht wissen, wie die Betroffenen mit ihrem Leid fertig wurden und hatte erst recht kein Interesse, etwas an den Zuständen zu ändern, da schließlich die gängigen Moralvorstellungen mit ihnen korrelierten.

Die Debatte der letzten Jahre über die Entgleisungen in der Heimpädagogik beschränkte sich vornehmlich auf die Kritik an der Heimerziehungspraxis in der DDR, insbesondere der in den Spezialheimen und Jugendwerkhöfen. Doch gerade der Goldene Westen in der Zeit des Wirtschaftswunders hatte auch seine Verlierer, deren Scheitern mitleidslos in Kauf genommen wurde. Dieses Buch trät dazu bei, einen Teil der Nachkriegsgeschichte Deutschlands aufzuarbeiten und der allzu romantischen Verklärung der Vergangenheit entgegenzuwirken. Das Dokument ist parteiisch, prangert an und ob dieser Angriff durch die maßgeblich angesprochenen Kirchen unwidersprochen bleibt, wird abzuwarten sein.”
Quelle: amazon verfasst von Matthias Coors. Nürnberg

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Mehr Rezensionen:

"Peter Wensierski schreibt aus der Perspektive der Opfer, der einstigen Heimzöglinge. Doch das Buch geht über die bisher erschienenen Erlebnisberichte hinaus. Es bleibt im Stil nüchtern, zitiert aus den Akten, wo sie zugänglich sind - oft waren sie es allerdings nicht. Es gibt auch die entsetzten Notizen der jungen Pädagogen wieder, die in den 70er Jahren mit neuen Idealen von der Universität kamen und im brutalen Alltag der Heimerziehung landeten. Es endet mit den Heimrevolten der frühen 70er Jahre, über die eine junge, politisch engagierte Journalistin berichtete: Ulrike Meinhof. Das Buch zeigt die düstere, gewalttätige Seite der 50er und 60er Jahre, die inzwischen überraschend weich und idyllisch gezeichnet werden. Bei der Einschätzung, was Bücher bewirken, kann man nicht skeptisch genug sein. Diesmal hat aber schon die Recherche dazu geführt, dass sich nun die ersten Heime ihrer verdrängten Geschichte stellen, nach Akten suchen, ehemaligen Zöglingen den Zugang zu ihrer eigenen Kindheit ermöglichen. Andere Einrichtungen stellen sich stur - aus Angst, dass die heutige Arbeit im schlechten Licht dasteht, und noch mehr aus der Angst vor möglichen Schadensersatzforderungen. Eine ehrliche Aufarbeitung der Geschichte sollte aber zur Pflicht der Heime werden, zur Pflicht der Ordensgemeinschaften und darüber hinaus der christlichen Kirchen. Hilfsangebote für die Opfer der Misshandlungen eingeschlossen".
MATTHIAS DROBINSKI, Süddeutsche Zeitung vom 27.3.2006


"Noch heute, vierzig Jahre später, leiden viele der mehreren hunderttausend ehemaligen Heimzöglinge aus den einst dreitausend deutschen Fürsorgeanstalten unter den traumatischen Erlebnissen ihrer Kindheit, die sie selbst Ehepartnern und nächsten Angehörigen aus Scham verschwiegen haben. Das allgemeine Schweigen über jene Vorgänge lastet umso schlimmer auf ihnen, als schon das jahrelange Martyrium sich buchstäblich im Dunkeln abspielte und bis heute von den verantwortlichen Vertretern der Kirchen offiziell geleugnet oder einfach nicht zur Kenntnis genommen wird. Von einer Bestrafung der Täter, einer umfassenden Entschuldigung und öffentlicher Rehabilitation der Opfer ganz zu schweigen. Das könnte sich nun, da die Fakten auf dem Tisch liegen, ändern. Autor Wensierski hatte schon 2003 eine Spiegel-Geschichte zum Thema verfasst und daraufhin über fünfhundert Leserbriefe von Betroffenen erhalten. In seinem Buch zeichnet er nun das erste umfassende Bild jener Verhältnisse. So ist das Enthüllungswerk des früheren Dokumentarfilmers und Fernsehjournalisten nicht nur buchstäblich eine Befreiung für die einstigen Heimkinder, sondern auch eine aufregende Zeitreise in die fünfziger Jahre. Wensierski sprach mit fast achthundert ehemaligen Heimkindern, früheren Angestellten, Heimleitern sowie einigen Nonnen und Ordensbrüdern. In Archiven fand er verschollen geglaubte Aufzeichnungen und konfrontierte einige der Täter von damals mit ihren Opfern. Tagebuchaufzeichnungen und Briefe komplettieren das Bild."
REINHARD MOHR, Die Weltwoche vom 16.2.2006


"Wenn der Insasse K71 des Idsteiner Kalmenhofs den Befehl 'Lappen, Eimer, Schrubber! Mitkommen!' hörte, wußte er, daß wieder Blut geflossen war: 'Manchmal mußte er eine Bürste mitnehmen. Wenn die Wände oder Möbel blutverschmiert waren, weil die Kinder mit dem Kopf dagegen geflogen waren.' Im 'Katakombenkeller' entdeckte er ein Mädchen, das mit dem Hals in einer Schlaufe an eine Wand gebunden war. Die Hände hatte man ihr auf den Rücken gefesselt. K71 war damals gerade elf Jahre alt und hieß eigentlich Volker. Erst zehn war sein Schicksalsgenosse Michael, der eines Nachts seinen Teddy, das einzige, was ihn an sein Zuhause erinnerte, zerstückelt auf seinem Bett vorfand.
Schon bei den geringsten Verfehlungen wie unerlaubtem Sprechen, Weinen oder Erbrechen 'hagelte es Schläge oder andere Strafen. Geprügelt wurde mit allem, was zur Hand war - mit Teppichklopfern oder Besenstielen. Zwischendurch gab es Boxhiebe in Rücken und Körper.' Eine Neunjährige mußte sich nachts im Garten ein Grab schaufeln.
All dies geschah nicht in den Folterlagern eines totalitären Systems. Es sind Erlebnisberichte aus der bundesdeutschen Heimerziehung, die der 'Spiegel'-Redakteur Peter Wensierski zusammengetragen hat, Stimmen aus einem Paralleluniversum konfessioneller und staatlicher Anstalten, von denen es in den 1960er Jahren rund 3000 mit über 200 000 Plätzen gab. Deren Insassen waren keine Verbrecher. Sie hatten nur das Pech, ihre Eltern verloren oder von ihnen verlassen worden zu sein; oder sie waren 'auffällig' geworden: 'Umhertreiben', 'Verlogenheit', 'aggressive Auffälligkeit', 'Leistungsschwäche', 'Arbeitsbummelei' oder 'Kinderfehler' wie Bettnässen oder Stottern, Naschsucht oder Nägelkauen genügten, um die Jugendämter auf den Plan zu rufen. Viele wissen bis heute nicht, warum man sie ins Heim brachte. Als Kinder fühlten sie sich mitschuldig. Den Erwachsenen könnte die Einsicht in ihre Akten zumindest erklären, was damals mit ihnen geschah. Manchen mag es ein später Trost sein, daß ihre Eltern, anders als man ihnen eingeredet hatte, sich doch um sie bemüht haben."
ULRICH BARON, Die Welt vom 27.2.2006

“Dieses Buch offenbart alles, was viele nicht sehen wollen. Deutschland mitten im Wirtschaftswunder. nur eine Gruppe von Menschen wird ausgeschlossen: die Kinder. Wegen geringster Vergehen (z.b. zu spätes nach Hause kommen oder das Hören von rock'n'roll) werden die ungeliebten Kinder in meist kirchliche Heime gesteckt. dort wird ihnen durch die brutalsten Foltermethoden (z.b. beten auf Holzscheiten), die nicht nur körperlicher sondern auch psychischer Natur sind, der Willen gebrochen. dieses Buch ist sehr empfehlenswert, nicht nur für diejenigen, die diese Qualen selbst erlebt haben oder in dieser Zeit gelebt haben. ich bin 20 Jahre alt und war schockiert, mit welchen "pädagogischen" Methoden die Kinder NACH der NS-Zeit erzogen worden sind. Ein aufrüttelndes Buch, dass einen nicht mehr loslässt.”
wolverine2502, Potsdam, amazon vom 13.4.2006

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